Weltkrebstag – weil Krebs auch deine Stimme braucht

Wenn du mich siehst denkst du wahrscheinlich nicht daran, dass ich eine unheilbar, krebskranke Peson bin, oder? Menschen mit Krebs sieht man ihre Krankheit nicht unbedingt an. Und doch beeinflusst die Krankheit ihr Leben so sehr, dass viele als schwerbehindert und erwerbsunfähig eingestuft werden. Zum Weltkrebstag (4. Februar) – und weit darüber hinaus – soll dieser Artikel dir den Alltag und die Lebensrealität krebskranker Menschen nahe bringen. Und dir ganz konkret zeigen, was auch du tun kannst.

2014 ist etwas passiert womit ich nie gerechnet hätte. Ich bekam eine Krebsdiagnose – mit gerade mal 32 Jahren. Und daraus folgte das komplette Paket an Therapien: Chemotherapie, Bestrahlung, Operation, Medikamente. Inklusive Nebenwirkungen und allem was dazu gehört.

Nach Jahren, in denen ich mich gesund gefühlt und so bezeichnet habe, geschah 2022 nochmal etwas womit ich nie gerechnet hätte: Es wurden Metastasen diagnostiziert. Damit wird die Erkrankung unheilbar, Palliativ, chronisch krank.

haare ab, vorher, nachher, krebs, chemotherapie

Dieser Artikel ist also eine Mischung aus sachlichen Hintergrundinformationen und meiner persönlichen Geschichte. Er soll aufklären, dich unterstützen, wenn du selbst eine Krebsdiagnose bekommen hast und dir aber auch Einblicke und Hilfe bieten, wenn du selbst nicht betroffen bist, aber Freunde, Bekannte oder Verwandte von dir.

Durch meine Krebserkrankung bin ich schwerbehindert mit einem Grad der Behinderung von 100, plus Merkzeichen. Auch darüber werde ich hier schreiben.

Und so wie mir geht es mehr Menschen als du denkst.

Wenn du selbst gerade eine Krebsdiagnose bekommen hast oder jemanden kennst mit Krebs ist mein Notallplan für 0 Euro eine super Hilfe. Du kannst ihn dir hier schicken lassen: Notfallplan.

Krebs als Volkskrankheit

Jährlich erhalten ca. 500.000 Menschen eine Krebsdiagnose alleine in Deutschland. Brustkrebs ist bei Frauen die häufigste Krebsart, bei Männern steht Prostata auf Platz 1 (beide jeweils rund 75.000 Diagnosen jährlich in Deutschland).

Bei ca. 20-25% aller Brustkrebserkrankten entwickeln sich im Laufe des Lebens Metastasen und die Krankheit wird unheilbar und damit palliativ.

Viele werden dadurch auch (schwer-)behindert, sei es durch Operationen (Mastektomie, Ablatio, Stoma & Co.) oder einfach als Folge der Erkrankung (Fatigue, Einschränkungen im Bewegungsapparat, etc.).
Zeit darüber zu sprechen, bzw. zu schreiben und aufzuklären.

Ursprung des Weltkrebstag

Am 4. Februar 2000 fand in Paris das Weltgipfeltreffen gegen Krebs statt, der den Beginn des Weltkrebstages markierte. Die UICC (Union internationale contre le cancer) koordiniert den Weltkrebstag, an dem sich nach eigenen Angaben fast 300 Organisationen in weltweit 86 Ländern beteiligen – darunter auch die Deutsche Krebsgesellschaft, die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ).


Jedes Jahr finden weltweit Aktionen statt, die auf den Weltkrebstag aufmerksam machen sollen. Jeder kann sich daran beteiligen! Es wurden schon Gebäude beleuchtet, aber natürlich gibt es auch lokale Infostände oder Vorträge in Schulen oder Firmen. In den letzten Jahren hat die Onlinepräsenz an Bedeutung gewonnen und es finden jährlich Aktionen auf z.B. Instagram statt an denen ich auch schon teilgenommen habe. Ich habe dir ja eben schon Möglichkeiten aufgezeigt wie auch DU dich beteiligen kannst.

Schleifen Übersicht oben von „Das K Wort“ – untere Metastasen Schleifen Info von mir

Weltkrebstag – warum eigentlich?

Der internationale Weltkrebstag ist jedes Jahr am 04. Februar. Ziel des Weltkrebstag ist es auf das Thema Krebs aufmerksam zu machen, Prävention, Forschung und Behandlung in den Fokus zu rücken.
Je früher Krebs erkannt wird umso besser ist die Erkrankung behandelbar, deshalb wird oft gesagt, dass Vorsorge die beste Therapie ist. Doch viele Menschen machen lieber die „Vogel Strauß“ Methode, stecken also den Kopf in den Sand und wollen mit dem Thema nichts zu tun haben.


Leider schützt Ignoranz nicht vor der Krankheit, weshalb man gar nicht genug darüber sprechen kann. Das tue ich seit meiner Erstdiagnose im Jahr 2014 viel und oft.


Mein Wunsch an dieser Stelle: Wenn du das hier liest vereinbare dir direkt deinen Nächsten Vorsorgetermin. Je nach Alter und Geschlecht gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Ich liste sie dir weiter unten nochmal auf und du kannst dann an der Stelle pausieren und den passenden Termin vereinbaren.

Weltkrebstag Mottos

Es gibt immer unterschiedliche Mottos um auf aktuelle, dringliche Probleme aufmerksam zu machen. 2025-2028 geht es um „Gemeinsam einzigartig“. Es soll zeigen, dass wir Krebspatient*innen zwar durch die Diagnose verbunden sind, aber trotzdem jede Erkrankung ganz individuell ist. Wir alle haben unsere eigene Geschichte und unterschiedliche Bedürfnisse.


In den letzten Jahren waren es folgende:

  • 2025-2027: Gemeinsam einzigartig. „United by unique.“
  • 2022–2024: Versorgungslücken schließen „Close the care gap“.
  • 2019–2021: Wir können. Ich kann. „We can. I can.“

Lies gerne mehr auf Wikpedia über die älteren Mottos: Zum Wikipedia Artikel

Timo Raab, Christine Raab, Harald Peter, Schwarz-weiß, Aschaffenburg, Großostheim, Charakterbilder, Krebs, Brustkrebs, Glatze, Baldhead (3)
So sah ich 2015 aus während meiner damaligen Chemotherapie. Foto von meinem Mann Timo Raab.

Krebs in der Öffentlichkeit

Wenn wir von Krebs reden denken die meisten Menschen direkt an glatzköpfige Menschen, die kotzend über der Kloschüssel hängen. Das ist ziemlich stereotypisch und entspricht nicht der Lebensrealität vieler Menschen.


Je nach Krebsart und -behandlung fallen die Haare gar nicht erst aus oder wachsen wieder gut nach. Gerade in einer metastasierten Situation wie bei mir befindet man sich in einer dauerhaften Therapie. Diese bringen zwar meist auch viele Nebenwirkungen mit sich, aber optisch enspricht man oft nicht mehr dem Bild des „typischen Krebspatienten“.


Immer mehr Promis sprechen über ihre Krebserkrankung. Das birgt teilweise die Gefahr, dass eine Krebserkrankung als gar nicht mehr richtig schlimm wahrgenommen wird, denn: den Promis geht es doch gut. Das liegt vor allem an den andere Möglichkeiten. Wenn Sonja Kraus eine 2.500 Euro Echthaarperücke trägt und von Stylistin 2 Stunden lang geschminkt und zurecht gemacht wird sieht sie natürlich super aus. Die meisten Patient*innen können sich das allerdings nicht leisten.

Was kannst du tun?

Es gibt so viele Möglichkeiten, gerade für Nicht-Betroffene, uns zu unterstützen. Schon wenn du diesen Blogbeitrag mit andren teilst hast du etwas getan und hast bei der Aufklärung geholfen. Aber es gibt natürlich noch viel mehr Möglichkeiten:

  • Rede mit Freunden und Bekannten über Krebs, bzw. die Früherkennungsmöglichkeityn
  • Unterstütze Vereine und Organisationen ehrenamtlich
  • Werde Mitglied in einem Verein oder einer Organisation und unterstütze mit deinem Beitrag
  • Spende an Vereine oder Organisationen
  • Beteilige dich an Aktionen, online oder vor Ort
  • Mache diese Aktionstage und -monate sichtbar indem du darüber sprichst, Informationen teilst und bei der Aufklärung hilfst (im Juli ist z.B. Disability Pride Month)
  • Freunde und Bekannte unterstützt du am besten persönlich mit konkreten Dingen wie Hilfe im Haushalt (einfach mal durchsaugen, Wäsche waschen oder kleine Portionen Essen kochen und einfrieren)
  • Kaufe Produkte und nutze Angebote von Krebspatient*innen, denn oft ist eine Erwerbstätigkeit nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich, die zusätzlichen Kosten aber enorm (mehr dazu weiter unten)

Ich selbst gründe übrigens gerade „Europa Donna Deutschland“, einen Verein, der sich um Aufklärung und Wissensvermittlung im Brustkrebsbereich einsetzt.

Selbstuntersuchung ist die beste Vorsorge!

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten für Krebsvorsorge. Etwas, das du selbst regelmäßig tun kannst ist die Selbstuntersuchung.

Setze dir am Besten 1x/Monat einen Termin in den Kalender. Manche machen das immer am Ersten des Monats („Feel it on the first“), andere finden den Geburstagstag dafür gut. An diesem Tag ziehst du dich komplett nackt aus, stellst dich vor den Spiegel und schaust dich ganz genau an.

Ich weiß, das fühlt sich am Anfang ungewohnt und komisch an oder ist dir selbst vielleicht ein bisschen unangenehm. Mach es trotzdem, du wirst sehen: Im Laufe der Zeit wird es so normal wie Zähneputzen. 🙂

Schaue auf:

  • Muttermale
  • Taste die Brust und den Achselbereich ab (Anleitung findest du hier – verlinken)
  • Taste die Hoden ab
  • Untersuche den gesamten Genitalbereich (evtl. brauchst du dafür einen Spiegel)

Solltest du eine Auffälligkeit entdecken vereinbare direkt einen Termin zur Kontrolle. Meist ist es nichts Schlimmes, aber du fühlst dich besser, wenn du das weißt.

Für den Fall, dass es aber doch etwas krebsartiges ist hättest du schnellstmöglich gehandelt – und das ist gut!

Vereinbare JETZT einen Vorsorge Termin!

Egal ob auffällig oder nicht, es gibt bestimmte Vorsorgeuntersuchungen, die du regelmäßig machen darfst. Und das solltest du auch tun!

Beispiel für solche Untersuchungen sind:

  • Krebsvorsorge bei Gynäkologie oder Urologie jährlich
  • Für Frauen zwischen 50-75 Jahre: alle 2 Jahre Mammographie
  • Hautkrebsvorsorge alle 2 Jahre

Eine Übersicht, welche Vorsorgeuntersuchungen dir zustehen und vom Bundesgesundheitsministerium empfohlen werden findest du hier direkt beim Bundesgesundheitsministerium.

Lass dich nicht abwimmeln, du hast ein Recht auf diese Untersuchungen!

Mache jetzt hier direkt eine kurze Pause bevor du weiterliest und vereinbare dir deinen nächsten Vorsorgetermin!

Krebs als Schwerbehinderung

Mit einer Krebserkrankung kommt es oft zu unterschiedlichen Einschränkungen und man gilt gleichzeitig als schwerbehindert. Die Schwerbehinderung wird in einen Grad eingeteilt, nicht in Prozent (wie manchmal umgangssprachlich gesagt wird). Je nach Art und Schwere der Erkrankung ist die Einteilung unterschiedlich. Je nach Einschränkung können auch zusätzliche Merkzeichen vergeben werden (beispielsweise G für eine Gehbehinderung oder B wenn eine Begleitperson nötig/empfehlenswert ist).

Das passiert alles nicht automatisch, sondern du musst einen Antrag auf Schwerbehinderung stellen. Mit dieser Genehmigung bekommst du einen Schwerbehindertenausweis und hast dadurch Recht auf verschiedene Nachteilsausgleiche. Diese Informationen sind sehr wichtig zu wissen, super hilfreich und sollten unbedingt von dir in Anspruch genommen werden.

Viele haben ein recht stereotypisches Bild von Behinderungen und Menschen mit einer Krebserkrankung gehören oft nicht dazu, sind es aber nunmal auch!

—> In meiner „Geldsparliste“ erkläre ich dir wie das mit dem Antrag funktioniert und wie du sonst noch Geld sparen und mehr Hilfe bekommen kannst mit der Krankheitssituation.

Erwerbsunfähigkeit durch Krebs und Schwerbehinderung?

Auch das ist nicht selten eine Konsequenz der Krebserkrankung. Durch die Therapien und Nebenwirkungen ist auch nach der Akuttherapie das Arbeiten im Sinne der Erwerbsfähigkeit oft gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt möglich. Hier kann eine Erwerbsunfähigkeitsrente sinnvoll sein, auch in jungen Jahren (wie bei mir).


Diese dient als Unterstützung und du darfst trotzdem noch in einem geringen Umfang arbeiten. Das ist alles genau geregelt und mehr Infos und Tipps dazu findest du ebenfalls in meiner „Geldsparliste“ bei den 0 Euro Soforthilfen.

Nachteilsausgleich

Wie schon gesagt gibt es mit der Anerkennung der Schwerbehinderung unterschiedliche Nachteilsausgleiche. Diese sind, wie der Name schon sagt, ein Ausgleich für den Nachteil, den man mit der Schwerbehinderung hat.

Das geht von Steuerfreibeträgen bis zu kostenloser Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel. Und: Nicht jeder mit Schwerbehindertenausweis darf auf dem Behindertenparkplatz stehen. Dafür brauchst du eine bestimmte Genehmigung und es ist ziemlich scheiße, wenn du dich ohne Berechtigung da drauf stellst.

Hole dir unbedingt meine Soforthilfen (für 0 Euro), da findest du noch mehr Tipps aus meiner eigenen Erfahrung.

Als Ergänzung zu diesem Artikel möchte ich gerne noch auf meinen Text zum „Disability Pride Month“ aufmerksam machen. Dieser ist immer im Juli und auch noch kaum bekannt.
Hier gehts zum „Disability Pride Month“ Artikel – jetzt lesen

Unsichtbar krank

Warum schreibe ich das hier? Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass man nicht jede Behinderung sieht und dass mehr Dinge unter eine (Schwer-)behinderung fallen als du vielleicht glaubst.

Du weißt jetzt schon, dass viele Behinderungen nicht sichtbar sein müssen, einschließlich Krebserkrankungen. Das führt leider dazu, dass dann das Verständnis für die Krankheit und die damit einhergehenden Einschränkungen fehlen. Nach der Akuttherapie wird erwartet, dass jetzt alles einfach wieder gut ist. Dem ist nicht so. Im Gegenteil, oft werden die Nebenwirkungen und Einschränkungen dann erst richtig klar für die Betroffenen.

Und speziell bei uns chronisch Kranken, palliativen, metastasierten Krebspatient*innen bleibt nur die Dauertherapie. Das heißt: Sehr viele Termine, Nebenwirkungen, Ängste, Fortschreiten der Erkrankung und damit Therapieumstellung, noch mehr Ängste.

Meine 0 Euro Soforthilfen für dich

Du hast selbst eine Krebsdiagnose erhalten und bist noch komplett durch den Wind? Du weiß nicht wo du anfangen sollst und fühlst dich total überfordert? Oder du bist Angehörige oder kennst jemanden mit einer Krebsdiagnose?


Aus meiner eigenen Erfahrung und meinem inzwischen umfangreichen Wissen habe ich verschiedene Soforthilfen erstellt. Ich weiß genau wie man sich fühlt nach der Diagnose und lebe inzwischen seit über 10 Jahren mit Krebs. Deshalb gibt es einen Notfallplan für den Beginn, meine Geldsparliste mit der man zusätzliche Hilfe bekommt und echtes Geld sparen kann und meinen Krebs-Yoga-Onlinekurs als Begleitung während und nach der Therapie.


Klicke einfach auf das Bild und du kommst zu den Soforthilfen:

Krebs braucht Aufklärung und Sichtbarkeit und ich hoffe sehr ich konnte mit diesem Blogartikel dazu beitragen. Mein Wunsch ist mehr Verständnis für die Lebensrealität mit einer Krebserkrankung, auch und gerade von Nichtbetroffenen. Eine Krebserkrankung ist übrigens, wie jede chronische Erkrankung, auch höchst politisch. Und in Anbetracht der Ideen und Vorschläge, die zur Zeit von der Regierung kommen, sollte uns das alle zum Handeln bringen.

Wenn dir dieser Blogbeitrag geholfen hat, du einen AHA-Moment hattest oder du einfach etwas Neues gelernt hast freue ich mich sehr über eine kleine Anerkennung in der Kaffeekasse. Auch das ist etwas, was du tun kannst um Krebspatientinnen wie mich zu unterstützen.

Herzliche Grüße,


Christine

Lies hier andere passende Artikel:

Aktuelle Beiträge

Über mich

Hi, ich bin Christine! Ich bin pragmatisch, ehrlich und gerade raus. Ich sage das, was gesagt werden muss und nehme dabei kein Blatt vor den Mund. Ich befinde mich auf einer Reise zwischen metastasiertem Brustkrebs, undogmatischem Yoga und bodenständiger Spiritualität. Als zertifizierte Yogalehrerin, Yoga & Krebs Trainerin, Gesundheitserzieherin, Pädagogin, Human Therapy Professional und Heilpraktikerin i.A. bin ich gerne an deiner Seite und begleite dich auf deinem Weg. Meine wichtigsten Werte: Authentizität, Nachhaltigkeit, Freude Life is for Living!

Notfallplan​
Geldsparliste​
Kategorien
Meine Bücher
Empfehlungen
Top Blog Beiträge
KrebsYogaKurs